Die Übergabe des Geldes sollte in Rom erfolgen. Direkt an einen Anwalt sollten die 250.000 Mark gehen, und zwar nach dem Notartermin, als Provision. 250.000 Mark, das war schon um Längen weniger als die ursprünglich geforderten 1,5 Millionen Mark. Aber die Italiener waren großzügig, anstelle der 1.5 Millionen in Schecks wollten sie sich mit 250.000 Mark in bar begnügen.
Karl-Friedrich K. aus Stuttgart war im März 2000 zufrieden. Endlich würde er "das Loch" loswerden, das Loch, die schönste und best gelegene Bauruine Leipzigs, quasi das zentrale Loch in der Innenstadt, neben Casino und Juristenfakultät, mit Blick auf Rathaus und Deutsche Bank, jenes Loch, das langsam aber sicher mit Unrat verfüllt wird. Endlich wäre er es los, hätte es verkauft an ein Unternehmen aus dem Dunstkreis der Berlusconi-Gruppe: Ein brillanter Schachzug - eingefädelt von Rudolf S. aus Leipzig. Ein guter Mann, der S., Immobilienmakler mit besten Kontakten nach Italien. Die potentiellen Käufer für das Loch hatte er gefunden, mit de Maria, dem Anwalt der Italiener, schon die Modalitäten besprochen, die Höhe der "Provision" ausgehandelt, den Dolmetscher besorgt und noch sechs bewaffnete Wachmänner angeheuert, um die 250.000 Mark Provision auch sicher zu übergeben.
Alles war bereit. De Maria wollte noch zur Bank, die neun Millionen Mark holen, die die Italiener als Anzahlung für den Kaufpreis des Loches und beim Notar hinterlegen wollten. Alle Mitglieder der Stuttgarter Delegation, Karl Friedrich K., sein Sohn, Rudolf S., der Dolmetscher und die sechs Wachmänner, haben de Maria zur Bank begleitet.
Dort, so erinnert sich Karl-Friedrich K., habe bereits ein Mann im "Staubmantel" auf den Anwalt gewartet, einer aus Calabrien, (aber Franco Nero soll es nicht gewesen sein). Dann kam der Anwalt der Italiener aus der Bank - mit einem silbernen Koffer von Samsonite. Der Dolmetscher habe den Koffer treuhänderisch getragen. Und plötzlich waren die Italiener verschwunden: Der mit dem Staubmantel ebenso wie der Anwalt, und mit ihnen waren die 250.000 Mark weg, gestohlen aus der Innentasche von Rudolf S., mit einem Griff und vom Anwalt - ein Griff für drei Briefcouverts mit je 70 bzw. 80 Scheinen à 1.000 Mark - eine respektable Leistung! Dann haben unsere Helden aus Deutschland die Flucht ergriffen. Aus Angst, der Mafia in die Hände gefallen zu sein, sind sie getürmt, um ihr Leben gerannt, und erst diesseits des Brenners haben sie halt gemacht, den Samsonite Koffer geöffnet und darin Telefonbücher gefunden, solche von Rom, die einem natürlich diesseits des Brenners relativ wenig nutzen. In jedem Fall ist die Viertelmillion jenseits des Brenners geblieben.
Damit will sich Karl-Friedrich K. nicht zufrieden geben. Er will sein Geld zurück, hat geklagt, vor dem Landgericht Leipzig und gegen Rudolf S., den Makler aus Leipzig. Von ihm will er die 250.000 Mark zurück, und der Leipziger Landrichter Sixtus Ecker soll ein entsprechendes Urteil sprechen. Der Richter wundert sich, zum einen darüber, dass Anwalt de Maria von K. nicht belangt wird - wo es doch auch in Italien Gerichte geben soll. Zum anderen darüber, wo 250.000 Mark in bar und ohne Nachweis herkommen. Aber mehr als wundern kann sich Richter Ecker nicht. Er ist Zivilrichter. Mehr als wundern dürfen sich in diesem Fall nur Staatsanwälte, und die wissen derzeit noch nichts von den 250.000 Mark, die in Italien verschwunden sind.
Doch Karl-Friedrich K. weiß seit der Verhandlung in Leipzig, dass Rudolf S., den er im Verdacht hat, gemeinsame Sache mit de Maria gemacht zu haben, ihm sein Geld nicht zurückzahlen wird. S. ist pleite, hat die eidesstattliche Versicherung abgegeben und ist somit für seine Gläubiger nicht greifbar. Ein Sieg vor dem Landgericht wäre demnach ein Pyrrhus-Sieg. Die 250.000 Mark, die bekommt K. nicht, weil bei Rudolf S. nichts zu holen ist und die Gerichts- und seine Anwaltskosten, die darf er auch noch zahlen, weil bei S. nichts zu holen ist.
(Die Geschichte ist im übrigen wahr. Karl-Friedrich K. war persönlich im Leipziger Landgericht und hat erzählt, was hier wiedergegeben ist.)